„Unser Saatgut: Wir ernten, was wir säen“ im Kur-Theater Hennef

Es ist eine große Freude, dass so viele Zuschauer ins Kino „Kur-Theater Hennef“ am 10.12.18 gekommen sind, um den neuen Film „Unser Saatgut: Wir ernten, was wir säen“ anzuschauen und an der anschließenden Diskussion teilzunehmen, die von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft NRW (AbL NRW) organisiert wurde.

Der Film beschreibt wie die Vielfalt an Saatgut und Nutzpflanzen in den letzten 100 Jahren extrem zurückgegangen ist, da in der industriellen Landwirtschaft wenige Hochleistungssorten die Vielfalt an bäuerlich gezüchteten Pflanzensorten verdrängten. Außerdem beherrschen wenige große Konzerne den Saatgutmarkt und schränken die Rechte von Bäuer*innen und Gärtner*innen ein, z.B. durch Nachbaugebühren auf selbst vermehrtes Getreide, sowie Patente und Gentechnik.

Im Zentrum des Films stehen die Initiativen, Bäuer*innen und Gärtner*innen, die nachbaufähige, bäuerlich gezüchtete Sorten anbauen, eigenes Saatgut gewinnen, sammeln und weitergeben oder sich politisch engagieren. Interessierte an dem Film können die Kinotermine auf der Website www.wfilm.de/unser-saatgut finden oder das eigene Kino auf den Film aufmerksam machen.

 

 

Diskussion

Die anschließende Diskussion mit weiteren Podiumsgästen wurde moderiert von Bernd Schmitz, Vorsitzender der AbL NRW, der in Hennef Milchkühe hält und nach dem Konzept der „Solidarischen Landwirtschaft“ Verbraucher mit Gemüse versorgt.

Martin Hagemann ist Gärtner aus Wachtberg und hat lange Zeit bei „Kultursaat“ Kohl gezüchtet für „Bingenheimer Saatgut“. Er berichtete, dass viele samenfeste Sorten verschwunden seien, bei denen Saatgut selbst gewonnen werden könne, da es beim Wiederaussäen die Sorteneigenschaften behalte. Bei Hybridsorten müsse das Saatgut immer wieder neu gekauft werden. Samenfeste Sorten seien zusätzlich stressresistenter als Hybridsorten, da durch die größere Variabilität der Pflanzen innerhalb einer Sorte, z.B. einige Pflanzen Trockenheit und andere Feuchtigkeit tolerieren würden.

David Lee Schlenker, Geschäftsführer der DLS Vollkorn-Mühlenbäckerei, sah die Verantwortung und Chance der Verbraucher, selbst entscheiden zu können, wohin sie ihr Geld für Lebensmittel geben und was sie damit unterstützen würden, z.B. Handwerksbäckereien. In seiner Bäckerei werde auf eine Vielfalt an Getreide gesetzt, zum Beispiel verbacke er auch Emmer sowie den 2-Meter hohen Schilfroggen, der eine Kreuzung aus Wildgrasroggen und Kulturroggen sei. Es würden auch Sorten verwendet, die von kleinen Züchtungsunternehmen speziell für die BIO-Landwirtschaft gezüchtet würden.

Susanne Heyd stellte den Gemeinschaftsgarten „Burggartenverein Blankenberg“ vor, wo Hobbygärtner viele alte Nutzpflanzen und Wildpflanzen anbauen und auch eigenes Saatgut gewinnen. Durch den Garten möchte sie auch Bewusstsein für die Pflanzen als kulturelles Gut schaffen, die erhalten werden müssen durch eigenen Anbau und nicht nur indem sie im Kühlschrank von Genbanken lagern.

Svenja Holst beschrieb, dass das Projekt „Saatgut: Vielfalt in Bauern- und Gärtnerhand“ der AbL NRW u.a. die bäuerliche Saatgutarbeit fördern möchte, z.B. durch einen geplanten Workshop über günstige, einfache Aufbereitungsmaschinen von Getreide-Saatgut. Dies könnte die Unabhängigkeit und auch die Nutzpflanzenvielfalt stärken. Sie appellierte, sich für eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) einzusetzen, die eine bäuerliche statt industrielle Landwirtschaft fördere. Dadurch könnten bäuerliche Betriebe und gesellschaftlich wichtige Anliegen wie eine Nutzpflanzenvielfalt stärker unterstützt werden.  

Das Publikum beteiligte sich lebhaft an der Diskussion und viele Teilnehmer forderten, beim Kauf von Lebensmitteln und Saatgut stärker samenfeste Sorten und regionale Anbieter nachzufragen. Gerade der Kauf direkt bei Bäuer*innen und Gärtner*innen könnte diese direkter unterstützen und eine vielfältige Landwirtschaft fördern. Saatgut von regionalen Anbietern kann beispielsweise auch bei Saatgutfestivals am 23.2.19 in Köln oder 9.3.19 in Düsseldorf erworben werden.